KIEZHerz

Im Stadtteilzentrum Ribbeck-Haus im Märkischen Viertel läuft die Annahme von Kinderkleidung für ein neues, geplantes Angebot zur kostenlosen Weitergabe im Viertel. Unter dem Titel Kleider spenden neues Leben schenken werden gut erhaltene Kleidungsstücke gesammelt, sortiert und für die Weitergabe vorbereitet.

Die Spendenannahme ist wieder am 26. Januar und am 9. Februar, jeweils von 9:00 bis 13:30 Uhr. Annahmestelle ist das Stadtteilzentrum Ribbeck-Haus am Senftenberger Ring 54.

Gespendet werden kann Kinderkleidung in den Größen 50 bis 164 sowie Kinderschuhe. Voraussetzung ist, dass die Sachen sauber und unbeschädigt sind. Spielzeug und Kuscheltiere werden nicht angenommen. Ziel ist es, die Kleidung in einem nächsten Schritt in der Viertelbox im Märkischen Viertel kostenlos weiterzugeben. Damit bleibt die Kleidung im Viertel und kommt Familien vor Ort zugute.

Getragen und unterstützt wird die Aktion von mehreren Partnern aus dem Märkischen Viertel, darunter KIEZHERZ, die GESOBAU AG, BENN IM MV, FACE Familienzentrum, das Stadtteilzentrum im Ribbeck-Haus sowie Einrichtungen des Landes Berlin und des Bezirksamts Reinickendorf. Initiiert wurde das Projekt von Madlyn und Audrey, die das Angebot gemeinsam entwickelt haben.

Am 26.1. und 9.2..2026 besteht noch einmal die Möglichkeit, Kleider zu spenden und mit den Beteiligten ins Gespräch zu kommen.

Am 5. Januar 2026 haben wir uns bei der jüngsten Annahme von Kinderkleidung im Stadtteilzentrum Ribbeck Haus ein Bild von dem geplanten Angebot gemacht. Vor Ort zeigte sich, wie organisiert die Spendenannahme ablief und wie viele Menschen aus dem Märkischen Viertel einfach vorbeikamen, um gut erhaltene Kleidung abzugeben.

Im Gespräch mit den Initiatorinnen Madlyn und Audrey entstand dabei das folgende Interview:

Wie ist die Idee für das Projekt entstanden und was war der Auslöser dafür?

Wir sind beide alleinerziehende Mütter und kennen den Bedarf an gut erhaltener Kinderkleidung aus dem eigenen Alltag. Die konkrete Idee kam durch ein Projekt in Pankow, die sogenannte Krabbelkiste. Die Krabbelkiste war früher in Pankow, ist aber inzwischen nach Weißensee umgezogen. Dadurch ist der Weg für viele deutlich länger geworden.

Aus Gesprächen mit Müttern haben wir immer wieder gehört, dass es schade ist, dass es das Angebot nicht mehr in der Nähe gibt. Uns wurde außerdem gesagt, dass viele aus dem Märkischen Viertel kamen und dieses Angebot genutzt haben. Daraus entstand für uns die Frage, warum es so etwas nicht direkt hier im Viertel gibt. Also haben wir entschieden, ein ähnliches Angebot vor Ort aufzubauen.

Der Bedarf im Märkischen Viertel ist hoch und gleichzeitig fehlte bisher ein niedrigschwelliges Angebot, das unabhängig von Einkommen oder Lebenssituation genutzt werden kann. Uns war wichtig, dass Kinderkleidung im Viertel bleibt und Familien hier direkt zugutekommt, statt über andere Bezirke verteilt zu werden.

Welche Rolle spielt die Viertelbox bei der Weitergabe der Kleidung?

Die Viertelbox wird ab dem 2. März 2026 für vier Wochen als Pop Up Laden genutzt. Dort geben wir die gespendete Kleidung über ein Punktesystem aus. Eine Mutter mit einem Kind erhält ein festes Punktebudget. Mit jedem weiteren Kind erhöht sich die Punktzahl. Mit diesen Punkten kann Kleidung ausgewählt werden. Geld spielt dabei keine Rolle.

Wer kann das Angebot nutzen?

Es ist egal, ob jemand arbeitet, Bürgergeld bezieht oder in einer anderen Situation ist. Es müssen keine Nachweise vorgelegt werden. Man kommt einfach vorbei. Das Angebot steht allen offen, ohne Zugangsvoraussetzungen oder Prüfung der persönlichen Situation. Uns ist wichtig, dass niemand sich schämen muss, Kleidung anzunehmen. Es geht nicht um Armut, sondern um Nachhaltigkeit und darum, weniger neu zu kaufen und weniger wegzuwerfen.

Wie läuft die Annahme und Sortierung der Spenden ab?

Die Spendenannahme ist ganz unkompliziert. Die Menschen kommen ins Stadtteilzentrum Ribbeck-Haus, wir nehmen die Kleidung persönlich entgegen und sortieren sie anschließend. Die Resonanz ist sehr groß. Spenden kommen nicht nur aus dem Märkischen Viertel, sondern auch aus anderen Bezirken wie Spandau, Neukölln oder Pankow Rosenthal.

Viele Menschen beteiligen sich an der Aktion und bringen gut erhaltene Sachen vorbei.

Welche Unterstützung wird aktuell gebraucht?

Das Projekt wird komplett ehrenamtlich getragen. Zum festen Team gehören derzeit sieben Personen. Für den Betrieb des Pop Up Ladens in der Viertelbox ab März brauchen wir weitere Unterstützung, vor allem während der Öffnungszeiten.

Zusätzlich erhalten wir fachliche Unterstützung, unter anderem vom Kleidertausch Reinickendorf, der uns mit Erfahrungen und Hinweisen begleitet.

Wie sind die nächsten Schritte geplant?

Der Pop Up Laden ist zunächst zeitlich begrenzt. Während dieser Zeit sammeln wir Erfahrungen und werten aus, wie das Angebot angenommen wird. Danach entscheiden wir, ob und in welcher Form das Projekt weitergeführt werden kann. Auch die Frage nach einem festen Standort im Märkischen Viertel ist dabei offen.

Gibt es etwas, das euch besonders wichtig ist?

Uns ist wichtig, dass möglichst viele Menschen das Angebot annehmen und keine Hemmschwelle verspüren. Kleidung weiterzugeben oder anzunehmen soll nichts Besonderes sein, sondern ein normaler Teil des Alltags. Es geht darum, vorhandene Dinge sinnvoll zu nutzen und den Konsum insgesamt zu reduzieren.


Das Projekt zeigt, wie vorhandene Dinge im Viertel weiter genutzt werden können, wenn Strukturen dafür geschaffen werden. Ob sich daraus ein dauerhaftes Angebot entwickelt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.

VonLux

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