Heute erreichten uns zwei Bilder aus einer Wohnung im Märkischen Viertel. Auf dem ersten ist eine dunkle Gardine vor einem Fenster zu sehen. Auf dem zweiten erscheint an der gegenüberliegenden Wand das Haus auf der anderen Hofseite. Nicht als Foto, nicht als Beamerbild, sondern als Lichtbild, das durch das Fenster in den Raum gelangt ist.
Was dabei passiert ist, lässt sich mit einem alten optischen Prinzip erklären. Es heißt Camera obscura (Lochkamera). Übersetzt bedeutet das dunkle Kammer. Der Raum wird dabei selbst zu einer einfachen Kamera.


Damit so ein Bild entsteht, braucht es mehrere Dinge gleichzeitig. Draußen muss es wesentlich heller sein als drinnen. Im Raum muss es deutlich abgedunkelt sein. Außerdem braucht es eine kleine Öffnung, durch die Licht hereinkommt. In diesem Fall kann ein schmaler Spalt zwischen Gardine und Fenster ausgereicht haben. Das Licht vom Haus gegenüber fällt durch diesen Spalt in den Raum und trifft auf die Wand.
Jeder helle Punkt des Hauses sendet Licht in viele Richtungen. Durch den kleinen Spalt kommt aber nur ein kleiner Teil davon in den Raum. Die Lichtstrahlen kreuzen sich an der Öffnung. Dadurch erscheint das Bild auf der Wand gedreht. Oben und unten sowie links und rechts werden dabei vertauscht. Je kleiner die Öffnung ist, desto schärfer kann das Bild werden. Je größer der Spalt ist, desto heller, aber auch unschärfer wird es.
Begünstigt wurde die Situation vermutlich durch die dunkle Gardine. Sie hat den Raum abgedunkelt und zugleich eine kleine Lichtöffnung übrig gelassen. Die Wand gegenüber diente als Projektionsfläche. Das Haus draußen war hell genug, um sich auf der Wand abzuzeichnen. So entsteht aus einem normalen Fenster für einen Moment ein optisches Gerät.
Dass so etwas in einer Wohnung im Märkischen Viertel sichtbar wird, hat also nichts Übersinnliches. Es zeigt nur, wie genau Licht funktioniert, auch wenn man es selten so deutlich sieht.
