bunkerHypothetische Rekonstruktion. So könnte der Hochbunker am Wilhelmsruher Damm heute aussehen, wenn er fertiggestellt worden und erhalten geblieben wäre. Die mit Darstellung ist keine historisch gesicherte Rekonstruktion.

Wo heute Wohnhäuser stehen, Autos parken und Menschen ihre täglichen Wege zurücklegen, befanden sich während des Zweiten Weltkriegs mehrere Luftschutzbunker. Auf dem Gebiet des heutigen Märkischen Viertels und im benachbarten Wittenau wurden einige dieser Anlagen nach dem Krieg gesprengt. Zwei Hochbunker stehen bis heute. Ein weiterer am Wilhelmsruher Damm wurde nie fertiggestellt.

Eine historische Luftaufnahme auf der Informationstafel von Berliner Unterwelten zeigt die Standorte. Wenn du sie mit der heutigen Umgebung vergleichst, erkennst du, wie sehr sich das Gebiet verändert hat. Die genannten heutigen Hausnummern dienen dabei der ungefähren Orientierung. Sie sind keine damaligen Bunkeradressen.

Warum hier Bunker gebaut wurden

Lange vor dem Bau des Märkischen Viertels prägten Laubenkolonien weite Teile der Umgebung. Viele Menschen lebten in Unterkünften ohne Keller. Bei Luftangriffen fehlten ihnen damit geeignete Schutzräume.

Im Rahmen des Berliner Bunkerbauprogramms entstanden deshalb eingeschossige Flachbunker und mehrgeschossige Hochbunker. Sie sollten Menschen aus den umliegenden Siedlungen aufnehmen. Ihre Geschichte gehört zur Vorgeschichte unseres Viertels und zu den Folgen des Krieges, den das nationalsozialistische Deutschland begonnen hatte.


Der Bunker in der Quickborner Straße

An der Quickborner Straße stand ein Hochbunker vom Typ M 1200. Auf der historischen Karte von Berliner Unterwelten trägt er die Nummer 5. Sein Standort lag nahe der damaligen Industriebahnstrecke.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde der Bunker am 27. August 1947 gesprengt. Eine Aufnahme aus dem Archiv von Berliner Unterwelten zeigt das Bauwerk nach dieser Sprengung.

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Der Hochbunker in der Quickborner Straße nach seiner Sprengung am 27. August 1947. Bildquelle ist das Archiv von Berliner Unterwelten e. V. Die Redaktion bedankt sich für die Bereitstellung der Aufnahme.
Dike Luftaufnahme zeigt den Bereich, in dem der Hochbunker stand. Die Redaktion bedankt sich bei Thomas für die Luftaufnahmen und seine Unterstützung.

Der unvollendete Hochbunker am Wilhelmsruher Damm

Am Wilhelmsruher Damm sollte ebenfalls ein Hochbunker vom Typ M 1200 entstehen. Auf der Karte ist er unter der Nummer 6 verzeichnet. Anders als der Bunker in der Quickborner Straße wurde diese Anlage nicht fertiggestellt.

Der Standort lässt sich ungefähr dem Bereich der heutigen Kreuzung Wilhelmsruher Damm, Dannenwalder Weg und Treuenbrietzener Straße zuordnen. Zur Orientierung dient die heutige Parkplatzfläche zwischen dem Dannenwalder Weg 196 und dem Wohngebäude mit den Hausnummern Wilhelmsruher Damm 97, 99 und 101.

Die Informationstafel bezeichnet den Standort ausdrücklich als Baustelle. Wie weit die Arbeiten fortgeschritten waren, weshalb sie eingestellt wurden und wann mögliche Baureste verschwanden, geht daraus nicht hervor.

Ungefähr in diesem Bereich am Wilhelmsruher Damm befand sich die Baustelle eines Hochbunkers, der nicht vollendet wurde.


Zwei Flachbunker am damaligen Teichweg

Am damaligen Teichweg standen zwei Flachbunker vom Typ 3F. Ihr Standort lag ungefähr im heutigen Bereich zwischen Senftenberger Ring 4 und 6. Auf der historischen Karte sind beide Anlagen gemeinsam unter der Nummer 4 eingezeichnet.

Berliner Unterwelten nennt für ihre Sprengung den 10. Juni 1947. Damit verschwanden auch diese Schutzbauten lange vor der Errichtung der heutigen Großsiedlung.

Der Straßenname Teichweg gehört zu einer früheren Ordnung dieses Gebiets. Mit dem Bau des Märkischen Viertels veränderten sich Grundstücke, Wege und Bebauung. Historische Standorte lassen sich deshalb nicht immer unmittelbar auf heutige Adressen übertragen.

Am damaligen Teichweg lagen zwei Flachbunker. Beide wurden am 10. Juni 1947 gesprengt.

Der Flachbunker am Eichhorster Weg

Auch am Eichhorster Weg gab es einen Luftschutzbunker. Die Karte führt ihn unter der Nummer 3 als Flachbunker vom Typ 4F auf. Er wurde am 30. Mai 1947 gesprengt.

Sein früherer Standort lässt sich ungefähr im Bereich Eichhorster Weg 26, an der Einmündung Sagritzer Weg, einordnen. Die heutige Hausnummer dient als Orientierung. Eine genaue Grundstückszuordnung enthält die historische Karte nicht.

Ungefähr in diesem Bereich am Eichhorster Weg befand sich der Flachbunker vom Typ 4F. Als Datum seiner Sprengung ist der 30. Mai 1947 dokumentiert.

Ein Flachbunker am Wilhelmsruher Damm nahe der Bahnbrücke

Ein weiterer Flachbunker stand am Wilhelmsruher Damm in der Nähe der Bahnbrücke am heutigen Bahnhof Wittenau. Die Informationstafel kennzeichnet ihn mit der Nummer 7 und nennt den Bautyp 2E.

Als ungefähre heutige Orientierung dient der Bereich in der Finsterwalder Straße 1. Welchem der heutigen Grundstücke die Anlage genau zuzuordnen wäre, lässt sich aus der Karte allein nicht sicher bestimmen.

Dieser Bunker wurde nach Angaben von Berliner Unterwelten 1947 oder 1948 gesprengt. Ein genaueres Datum nennt die Tafel nicht.

Nahe der Kreuzung Wilhelmsruher Damm Ecke Finsterwalder Straße lag ein Flachbunker vom Typ 2E. Die historische Übersicht datiert seine Sprengung auf 1947/48.

Die erhaltenen Hochbunker an der Wittenauer Straße

Zwei Hochbunker sind im benachbarten Wittenau bis heute erhalten. Sie stehen auf den Grundstücken Wittenauer Straße 68/70 und 76/78/80. Auf der Karte sind sie gemeinsam mit der Nummer 1 markiert.

Als ihr Bau 1941 begann, hieß dieser Straßenabschnitt noch Lübarser Straße. Beide Anlagen gehören zum Typ M 500. Der westliche Bunker wurde im Mai 1942 fertiggestellt. Beim östlichen verzögerten Unterbrechungen die Fertigstellung bis Ende 1944. Zum Einsatz kamen auch Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene.

Die Bunker (Link zum Standort) sollten Menschen aus den angrenzenden Laubenkolonien bei Luftangriffen aufnehmen. Im Inneren gab es Aufenthaltsräume, Schlafmöglichkeiten und technische Einrichtungen. Ihre mit Ziegeln gedeckten Dächer sollten aus der Luft gewöhnliche Wohnhäuser vortäuschen.

Nach Kriegsende blieben die beiden Gebäude erhalten, weil die französische Militärverwaltung sie zur Lagerung von Kartoffeln und anderen Lebensmitteln nutzte. Ab 1959 wurden dort Teile der Berliner Senatsreserve aufbewahrt. Diese Vorräte sollten Westberlin im Fall einer erneuten Blockade versorgen.

Die Anlagen stehen unter Denkmalschutz. Sie dokumentieren damit sowohl den Luftschutz während des Zweiten Weltkriegs als auch die spätere Lebensmittelbevorratung im geteilten Berlin.

Eine Karte vor Ort macht die früheren Standorte sichtbar

Die Grundlage dieser Übersicht ist die Informationstafel von Berliner Unterwelten. Ihre Luftaufnahme vom 16. März 1945 zeigt die Bunkerstandorte und weitere Spuren des Krieges. Dazu gehören Bombenkrater, Deckungsgräben und ein Zwangsarbeiterlager.


Wenn du dich näher mit den einzelnen Standorten beschäftigen möchtest, kannst du die historische Aufnahme mit der heutigen Umgebung vergleichen. Weitere Informationen zur Arbeit des Vereins findest du bei Berliner Unterwelten.


Falls sich jetzt jemand noch mehr Hintergrundinformationen wünscht, findet diese im Museum Reinickendorf. Zur Zeit ist der Besuch dort nur mit Termin möglich, siehe Internetseite.

ByLux

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