Immer wieder tauchen sie auf: Kleine, düstere Figuren, die sich auf Straßenschildern verstecken, oft so unauffällig, dass man sie beim Vorbeigehen fast übersehen könnte. Doch wer die Augen offen hält, entdeckt schnell, dass diese eigenartigen Gestalten über das Märkische Viertel wachen, still, beinahe geheimnisvoll.

Vor einiger Zeit machten wir eine zufällige Beobachtung in einer späten Nacht: Ein Mann, kaum zu erkennen im Schatten, befestigte eine dieser Figuren auf einem Straßenschild. Wir fragten: ,,Hey, bist du die Person die diese geheimnisvollen Figuren auf Straßenschildern aufstellt?“ Der ,,unbekannte“, oder sollte man ihn den „Wächter“ nennen, bejahte dies. Er erklärte in wenigen Worten: Es ginge ihm darum, den Alltag zu beleben, Menschen dazu zu bringen, ihre Umgebung mit neuen Augen zu sehen.
Die kleinen Figuren mögen vielleicht nicht durch filigrane Handwerkskunst bestechen, aber ihre Wirkung ist groß. Die Idee dahinter, dass Unscheinbare im Alltag zu etwas Besonderem zu machen, ist der eigentliche Kunstgriff.
Es ist fast so, als wollte der „Wächter“ uns daran erinnern, dass selbst in den grauesten Ecken unserer Straßen etwas Magisches verborgen sein kann.
Manchmal verstecken sie sich an überraschenden Orten, warten geduldig darauf, entdeckt zu werden. Für einige Bewohner, darunter auch neugierige Kinder, sind sie sicher längst zu einer Art Schatzsuche geworden, ein Abenteuer im eigenen Viertel.
Vielleicht sind sie ja noch zahlreicher, als man denkt. Vielleicht sind sie längst Teil unserer täglichen Wege, ohne dass wir es bemerkt haben. Ein Spiel für die Sinne, eine kleine Herausforderung im sonst so routinierten Alltag. Also, Augen auf. Vielleicht begegnet euch beim nächsten Spaziergang im Märkischen Viertel auch eine dieser geheimnisvollen Gestalten, die über uns wachen. Der „Wächter“ ist da draußen, und seine Figuren warten nur darauf, entdeckt zu werden.
Es folgen Wächter-Sichtungen aus dem Märkischen Viertel:

Am 4. September 2026 erreichte uns eine Nachricht einer Leserin. Sie fragte, ob schon jemand die kleinen Figuren entdeckt habe und wisse, was es damit auf sich hat. Auf dem mitgeschickten Bild ist eine der Figuren oben auf dem Haltestellenschild am Senftenberger Ring Nord zu sehen.
Wir haben der Leserin geantwortet und erklärt, dass diese Figuren im Märkischen Viertel seit einiger Zeit immer wieder auftauchen. Sie gehören zu den sogenannten Wächterfiguren, über die wir bereits oft berichtet haben. Dahinter steht eine Person aus dem Viertel, die mit den kleinen Figuren auf Aufmerksamkeit im Alltag, gegenseitiges Hinsehen und Nachbarschaft aufmerksam machen möchte.
Wer mehr dazu erfahren möchte, findet die bisherigen Sichtungen und die Nachricht des Wächters in diesem Beitrag. Die Figuren stehen nicht im Mittelpunkt des Straßenbildes, aber sie verändern für einen Moment den Blick auf Orte, an denen viele jeden Tag vorbeikommen.



In unserem Kunstraum hängt seit einiger Zeit ein Plakat, das über die Wächterfiguren im Märkischen Viertel und die Arbeit dahinter berichtet. Offenbar ist das auch dem Wächter selbst nicht entgangen.
Scheinbar unbemerkt hat er den Kunstraum besucht und dort einige seiner kleinen Figuren angebracht. Seitdem finden sie sich zwischen den ausgestellten Arbeiten und an verschiedenen Stellen im Raum.
Damit ist aus unserem Beitrag über den Wächter inzwischen auch ein kleiner Teil seiner Kunst direkt im Kunstraum geworden. Wer vorbeikommt, kann sich auf die Suche machen. Alle Infos findest du hier.


Bei einer aktuellen Fototour ist am Weg rund um das Mittelfeldbecken erneut eine dieser kleinen Figuren aufgefallen. Sie sitzt oben auf einem Wegweiser in der Nähe der Bettina-von-Arnim-Schule sowie des comX Freizeitzentrums und ist vom Boden aus leicht zu übersehen. Erst im Februar wurde auf der gegenüberliegenden Seite des Ufers bereits eine Figur entdeckt. Damit setzt sich die Reihe neuer Sichtungen im Märkischen Viertel weiter fort.








Heute, am 12. September 2025, wurden am Wilhelmsruher Damm und an der Treuenbrietzener Straße neue kleine Figuren entdeckt. Unscheinbar an Straßenschildern angebracht, schauen sie wie stille Begleiter auf den Alltag und erinnern daran, die Umgebung mit wachen Augen zu sehen. Wer unterwegs ist, kann ja mal genauer hinsehen und Fundorte in den Kommentaren teilen.
Vielleicht zeigen diese Figuren, dass Aufmerksamkeit der Anfang von Nachbarschaft ist und dass kleine Zeichen große Gespräche anstoßen können.
Update vom 31.5.2025: Eine Nachricht vom Wächter:
Hallo!
Einige hier werden die kleinen düsteren Wächter schonmal im Märkischen Viertel gesehen und sich gefragt haben, was soll das?
Ich lebe jetzt schon eine geraume Zeit hier in den Häuserschluchten des Märkischen Viertel und musste feststellen, dass man hier nicht immer aufeinander achtet und aufpasst. Da ich persönlich auch schon Erfahrungen mit Menschen gemacht habe, die lieber wegsehen, habe ich längere Zeit überlegt, wie man ein kleines Zeichens setzen kann. Diese kleinen Wächter sollen daran erinnern, dass es manchmal nur ein Lächeln, eine Geste oder ein liebes Wort ist, welches eine Situation aufhellen kann und ein Lächeln ins Gesicht eines fremden Menschen zaubern kann. Manchmal reicht das nicht, dann sollte man aber auch nicht wegsehen, sondern Hilfe holen und einschreiten. Diese kleinen Wächter sollen Euch ein wenig daran erinnern, dass jeder Opfer werden kann. Wenn Ihr zusammen steht, kann man die Gewalt eindämmen und Nähe schaffen!
Gruß vom Wächter







Jede Figur ist ein Symbol dafür, dass das, was uns banal erscheint, oft mehr Tiefe hat, als wir im ersten Augenblick wahrnehmen. Wer sich auf diese Suche begibt, entdeckt nicht nur die Figuren, sondern vielleicht auch einen neuen Blick auf seine Umgebung und auf das Leben.
