Sonnenblume

Am Senftenberger Ring, an der Ecke zum Straupitzer Steig, wuchs in den vergangenen Wochen eine Sonnenblume aus einer schmalen Fuge im Gehweg. Direkt an einer Laterne, zwischen Asphalt, Betonplatten und parkenden Autos.

Aufmerksam gemacht hatte mich Janey, eine Kollegin aus der Initiative MV kann Kunst. Sie hatte die Pflanze an einem Abend im Viertel entdeckt. Wahrscheinlich war ein Sonnenblumenkern in die Fuge geraten. Irgendwann kam ein Stängel heraus. Dann Blätter. Dann eine Knospe.

Ich bin hingefahren und habe nachgesehen. Dort stand sie wirklich.

Weil der Sommer schon im Juni viel Hitze brachte, bin ich mit meiner Tochter regelmäßig dorthin gefahren. Wir haben Wasser mitgenommen und versucht, es so zu gießen, dass es in die schmale Fuge zwischen den Gehwegplatten läuft. Manchmal reichte ein Besuch am Tag nicht. Dann kamen wir ein zweites Mal.

Mit der Zeit öffnete sich die Blüte. Viele Menschen gingen täglich daran vorbei. Auf dem Weg zum Einkauf, zur Haltestelle, nach Hause. Die Pflanze blieb stehen. Niemand riss sie heraus. Niemand trat sie weg. Sie durfte dort wachsen, an einem Ort, der dafür eigentlich nicht gemacht ist.

Für mich erzählt diese Sonnenblume auch etwas über das Märkische Viertel. Hier gibt es viele Menschen, die solche kleinen Dinge sehen und sie einfach leben lassen.

Am Ende hat die Hitze der Pflanze zugesetzt. Sie wurde nicht herausgerissen. Sie wurde nicht zertreten. Sie wurde nicht mutwillig beschädigt. Viele Menschen sind jeden Tag an ihr vorbeigegangen.

Dass sie es am Ende nicht geschafft hat, lag an der Hitze und an dem Ort, an dem sie gewachsen ist. Nicht an den Menschen.

Darum möchte ich danke sagen. An Janey, weil sie hingesehen hat. An meine Tochter, weil sie mitgegossen hat. Und an die vielen Menschen, die täglich daran vorbeikamen und diese Sonnenblume einfach haben wachsen lassen.

VonLux

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