Fußball feiern, aber bitte mit Blick auf die Nachbarschaft

Deutschland hat sein erstes WM Spiel mit 7:1 gegen Curaçao gewonnen. Für viele war das ein Anlass zum Feiern. Nach jedem Tor war an einigen Stellen im Viertel zu hören, wie gejubelt und geknallt wurde.

Eine Leserin hat uns danach folgendes geschrieben:

„Wir freuen uns über 7:1, aber für die, die nicht sprechen können, isses nicht so schön.
Ich hatte ihr zu liebe, im Schlafzimmer Fenster zu, Fernseher bisschen lauter und Tür zu. Jetzt atmet sie neben uns durch.“

Am Samstag, 20. Juni, spielt Deutschland nach aktuellem Spielplan wieder. Viele werden das Spiel schauen. Viele werden sich freuen, wenn Deutschland trifft. Das gehört zu einem Turnier dazu. Aber nicht alles, was als Freude gemeint ist, kommt bei anderen auch so an.

Böller und sehr laute Knalle treffen nicht nur Hunde in Wohnungen. Auch Katzen, Vögel, Igel, Fledermäuse und andere Tiere im Viertel können nicht einordnen, woher der Lärm kommt.
Für viele Tiere bedeutet plötzlicher Knall eine Fluchtreaktion. Tierschutzorganisationen und Naturschutzverbände weisen seit Jahren darauf hin, dass Feuerwerk und Böller Tiere belasten können.

Es geht aber auch um Menschen. Im Märkischen Viertel leben Menschen mit Kriegserfahrungen, mit Angststörungen, mit kleinen Kindern, mit Pflegebedarf oder mit Erkrankungen, bei denen plötzlicher Lärm eine starke Belastung sein kann. Nicht alle sieht man von der Straße aus. Nicht alle können sich bemerkbar machen.

Das heißt nicht, dass niemand feiern soll. Fußball verbindet viele Menschen, gerade bei einer Weltmeisterschaft. Jubel, Gespräche auf dem Balkon, Fahnen im Fenster und gemeinsames Schauen gehören dazu. Aber Böller vor Hauseingängen, auf Wegen, zwischen Wohnhäusern oder in der Nähe von Grünflächen sind etwas anderes. Sie betreffen Menschen und Tiere, die sich dem kaum entziehen können.

Im Märkischen Viertel wohnen viele Menschen dicht beieinander. Ein bisschen Rücksicht kann an so einem Abend viel verändern.

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